von Norderney

05.03.2010
ostfriese löppt
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Wie die Insulaner

Auf Norderney ist dieser Spruch nicht geläufig: „As de Goosen un de Eilanders“ – wie die Gänse und die Insulaner, dieser Spruch fällt immer dann, wenn Mentschen in einer Reihe hintereinandergingen. Auf Norderney ist dieser Spruch fast unbekannt, für das angrenzende Festland ist die Beschreibung und der Vergleich in der Umgangssprache gegenwärtig. Dort sah man  es früher halt oft: Insulaner auf dem Weg nach Hause.
Bis zum Anfang des 19. Jahrhundert gab es keine regelmäßige Schiffsverbindung. Die Inseln wurden durch eine regelmäßige Wattenpost mit dem Festland verbunden. Die Fuhrleute fuhren bei Ebbe mit Pferd und Kutsche vom angrenzenden Festland zu den vorgelagerten Inseln. Der heutige Norderneyer Fuhrunternehmer Onnen kommt aus einem solchen Wattenpostgeschlecht. Auf Norderney ging der alte Postweg ungefähr beim Deich am Fischereihafen los, ging dann gerade bis zum Leuchtturm, von dort weiter bis zur Postbake und dann nach Süden durch das Watt nach Hilgenriedersiel. Der Wattweg wurde mit Steinen befestigt, in der Seekarte ist dieses Gebiet noch heute als Steenweg benamt. Für die zu Fuß gehenden Insulaner war der Kutschenweg zu lang, sie benutzten Abkürzungen durch das Watt. Wie heute so auch damals war die Strecke nicht ungefährlich und nur bei genauer Ortskenntnis möglich, deshalb liefen die Insulaner ihn dicht  hintereinander.
Watt auf Norderney
Seit 1844 verkehrt eine Watt-Postkutsche nach festem Fahrplan zwischen Hilgenriedersiel und Norderney.

Das Norderneyer Stadtarchiv verfügt noch über frühere Fahrpläne, wie zum Beispiel:
„Königlich Hannoversches Bade-Commissarisches Bade-Commissariat“ für Norderney v. Bock-Wülfingen mit der Überschrift Seebad Norderney – Kurzeit 1863 – Uebersicht der Communicationsmittel zwischen der Insel und dem Festland. Hierin enthalten sind die Abfahrtszeiten von 4 Dampfschiffverbindungen (Bremer Dampfschiff „Roland“ Geestemünde-Norderney; Emdener Dampfschiff „Kronprinzessin Marie“ Emden-Norderney; Leerer Dampfschiff „Kronprinz von Hannover“ Leer-Emden-Norderney; Fähr-Packetschiff Norddeich-Noderney) und die „Fahrpost von Hilgenriedersiel durch das Seewatt in 1 1/2 Stunde nach Norderney“ in den Monaten Juli bis September, wobei mitgeteilt wird, dass die Abfahrt von Norderney 1 Stunde früher ist als von Hilgenriedersiel.Für die „Kurzeit 1865“ wird die „Abfahrzeit für die Wagen von Hilgenriedersiel bei niedriger Ebbe durch das Seewatt in 1 1/2 Stunden nach Norderney“ vom 15. Juni bis 30. September angegeben. „Die regelmäßige Fahrpost führt vom 1. Juli an täglich einmal über Hilgenriedersiel resp. nach und von Norden (3 Stunden).“ Für die Fahrt von Hilgenriedersiel nach Norden wurden demnach 3 Stunden gebraucht.Dann gab es noch den „Postanzeiger der Königlich Hannoverschen Post-Spedition Norderney z.B. vom „Sommer 1863“. Hierin werden in den ersten Spalten die Abfahrtzeiten der „Personenpost nach und von Norden über Hage“ in den Monaten Juli bis September mitgeteilt. Die Transportdauer dieser Personenpost Norden-Hage/Hilgenriedersiel-Norderney wird mit 3 1/2 bis 4 Stunden angegeben.
Vor der Überfahrt nach Norderney, die nur zur Ebbezeit stattfinden konnte, wurde häufig im Gasthaus in Hilgenriedersiel eingekehrt. Das Gasthaus, das an ein landwirtschaftliches Gebäude angegliedert war, bot auch Platz für Gästezimmer, so dass hier auch übernachtet werden konnte.
Für die Pferde stand ein Pferdestall in einem Nebengebäude (direkt am Deich) zur Verfügung.
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