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13.04.2021
Machbarkeitsstudie
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Sicherer touristischer Neustart

Ein sicherer touristischer Neustart ist das Ziel der Ostfriesischen Inseln. Dafür haben sie heute gemeinsam ein detailliertes Konzept beim Land vorgelegt. Kurdirektor Wilhelm Loth und Bürgermeister Frank Ulrichs stellten die „Machbarkeitsanalyse der Ostfriesischen Inseln für einen sicheren touristischen Neustart“ (MOIN) gestern bei einer Norderneyer digitalen Pressekonferenz vor.

Schritte für die stufenweise Öffnung

In dem Papier bitten die sieben Ostfriesischen Inseln das Land Niedersachsen, in der nächsten Verordnung erstmals auch Schritte für die stufenweise Öffnung des Tourismus einzubinden und das ganzheitliche Öffnungskonzept bei der Umsetzung zu unterstützen.

Rund zwei Wochen haben die Bürgermeister und Kurdirektoren der sieben Ostfriesischen Inseln an dem Konzept für den sicheren touristischen Neustart intensiv gearbeitet, wie Ulrichs sagte. Dabei wurden sie unterstützt von einem Vertreter der Industrie- und Handelskammer und von den Reedereien. Alle hätten das 22-Seiten-Papier einvernehmlich genehmigt. Und die Gespräche seien mit allen diszipliniert und lösungsorientiert verlaufen, ergänzt Loth.

Downloadlink – MOIN – Konzept zur Öffnung

Basis sind die regelmäßigen Testungen

Das Konzept baut auf eine stufenweise Öffnung des Tourismus. Ein wesentlicher Baustein sind regelmäßige Testungen aller Personen – Gäste, Zweitwohnungsbesitzer, Bewohner, Vermieter, Gastronomen und Einzelhändler.

Da die Inseln abgegrenzte Bereiche mit kontrollierbaren Zugängen seien, bauen die Initiatoren darauf, dass das System funktioniert. So soll jeder, der auf der Insel ist, aktuell getestet oder zweifach geimpft sein. Dieses muss auf Nachfrage und auch bei Zutritt nachweisbar sein.

So seien die Touristiker, Gastronomen, Hoteliers, Vermieter und Einzelhändler aufgefordert, die Testungen zu überprüfen. Und nur mit dem Nachweis soll der Zugang zur Insel, zu Unterkünften, Gastronomie, Handel und zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen möglich sein. Auch bei Einreisen per Flugzeug, mit Privatboot oder Wassertaxi sollen alle Personen getestet sein. Die Reedereien hätten vollumfänglich ihre Unterstützung zugesagt. Das A und O sei die Besucherlenkung und die Nachverfolgung, so Ulrichs. Diese sollen über Apps wie Frida oder Luca erfolgen – und bei Bedarf auch analog.

Vorerst keine Tagesgäste

Zudem soll die Menge der Gäste erst einmal so klein wie möglich sein. Daher sollen – eventuell nach einem kurzen harten Lockdown – vorerst nur Übernachtungsgäste und keine Tagesgäste auf die Insel kommen, erklärt Ulrichs.

Eine Ausgrenzung klinge immer schlimm, sagt Loth, doch es gehe immerhin um eine stufenweise Öffnung. Wangerooge habe zuletzt gezeigt, dass es möglich ist: Dort habe der Landrat für das vergangene Wochenende die Testungen angeordnet.

Solidarität ist gefragt

Bei allem hoffen die Macher aber auf Freiwilligkeit und Solidarität, wie Ulrichs betont. „So ein System muss in sich funktionieren.“ Und: „Wir zählen auf Beteiligung und Unterstützung aller.“ Außerdem sei das Konzeptpapier „nicht in Stein gemeißelt“, so Ulrichs, und es werde mit dem Pandemie-Arbeitskreis und weiteren Initiativen besprochen.

Ulrichs betont, dass das Papier mit Fachkompetenz entwickelt worden sei. So kommt die wissenschaftliche Begleitung von Professor Ulf Dittmer, Leiter des Instituts für Virologie am Essener Uniklinikum, und von Prof. Ines Carstensen vom Center for Innovation & Sustainability in Tourism. Und auch der Prozess – wenn das Konzept umgesetzt werden darf – werde begleitet und ausgewertet. So könnten die Ostfriesischen Inseln als Vorbildregion und Modell für andere dienen, so Ulrichs.

Perspektiven für die Menschen

„Wir hoffen, dass es eine gute Grundlage ist“, sagt Ulrichs, der zuversichtlich ist, dass das Land das Papier positiv aufnehmen wird. Denn es biete größtmögliche Sicherheit. „Wir wollen, dass man uns im Blick behält und dass wir ein Konzept haben, das sich auch bei Inzidenzen bewährt“, so Ulrichs, der deutlich macht: „Wir müssen den Menschen Perspektiven geben, denn es brennt an allen Ecken und Kanten.“

Auch wenn die sieben Inseln als Solidargemeinschaft aufträten, meint Ulrichs aber, dass ein mögliches Scheitern auf einer Insel das Gesamtkonzept nicht zum Fallen bringen sollte. Wenn sich aber auf drei oder noch mehr Inseln Probleme erweisen würden, könnte das Gesamtprojekt gefährdet sein. Doch das ist jetzt für ihn kein Thema: „Im Augenblick denken wir noch positiv.“

Kurdirektor Loth betont: „Die Inzidenzen sind nicht im Tourismus begründet.“ Anderen Branchen würde man eine solche Schließung nicht zumuten, meint Loth. Er hofft darauf, dass es bald Perspektiven gibt, die „sicheres Reisen mit einem guten Gewissen“ ermöglichen. Zwar sei mit dem Einreichen des Konzeptes kein Zeitpunkt gesetzt, doch, so Loth: „Wenn sich Richtung Pfingsten nichts bewegt, wird es wirklich kritisch.“