News von Norderney

Norderney Inside

28.03.2019
nordseebike Rückenwind
5,0 bei 3 Bewertungen

Neuer Fahrradverleih

Neuer Fahrradverleih – Wer nix wird wird Wirt! Diesen Spruch hat wohl schon jeder Gastronom gehört. Inhaltlich mag es ja stimmen, daß sich Lieschen Müller gerne als Wirtin versucht, allerdings meist nicht lange. Als „Nichtskönner“ ist die Pleite innerhalb der ersten Jahre vorprogrammiert. Bestehen kann man nur mit Fachkenntnissen, Fleiß und einer gesunden Einstellung zum Dienstleistungsgewerbe.

Auf Norderney gilt der Wirtespruch für ein anderes Gewerbe: im Fahrradverleih-Business gibt es zu jeder Saison neue Geschäftseröffnungen und man hat den Eindruck, dass hier nicht Kenntnisse und Fertigkeiten des Betreibers im Vordergrund stehen, sondern die Hoffnung auf das schnelle Geld.  Inzwischen gibt es an fast jeder Ecke einen Verleih für (fast) alle Bedürfnisse. Die „Sommertänzer“ in diesem Bereich werden von den alteingesessenen Unternehmen als Nadelstiche aber nicht als ernstzunehmende Konkurrenten wahrgenommen.

Nun drängt aber auch die Reederei Norden Frisia AG* und ein Auricher Ingenieurbüro mit einem großem Angebot an E-Bikes in das Geschäft mit den Leihfahrrädern – dies ist schon eine andere Hausnummer als die jährlich auftauchenden Glücksritter.

Nordsee-Bike – Nordsee Portal

Ohne Frage gibt es bei Nordsee-Bike nun nagelneue E-Bikes (die Gerüchteküche vermutet: zu einem marktverdrängenden günstigen Preis). Die Verleihstationen direkt im Hafenterminal und in den Räumen in der Innenstadt (Langestraße 15) sind auch sehr günstig gewählt. In der Räumen der Postfiliale (Winters. / Langestraße) stehen fast 150 hochwertige Elektroräder (Gazelle) die ebenfalls vermietet werden sollen (Betreiber ist ein Auricher Ingenieurbüro).

Nordsee bike norderney

Die Kampfansage an die örtlichen Verleiher hat zu viel Unruhe geführt. Für den Gast ist es letztlich egal wer hinter dem Unternehmen steht – hier zählt Preis, Qualität und Leistung. Die Räder von Nordsee-Bike sollen im Internet buchbar sein, man braucht die Räder praktisch nur noch an der Verleihstation zu übernehmen.

Der Verleih von Fahrrädern gehört zur neuen Digitalisierung- und E-Mobilisierungskampagne der Frisia. Das Unternehmen möchte in allen Bereichen der Digitalisierung führend sein und letztlich mit einem Webportal alles rund um den Urlaub auf Norderney (an der Nordsee) anbieten – von der Beförderung bis zum Bett und dem Aufenthalt auf der Insel.

Nordsee Bike Norderney

Als kühler Rechner sucht man sich da natürlich immer nur die Rosinen raus. Wie beim Discounter bedeutet dies beim Fahrradverleih, auf ein kostenintensives Angebot zu verzichten:. Kindersitze, Rollstühle, Beiwagen für Hunde, Räder für Kinder in den unterschiedlichsten Größen, Kleinstreparaturen, Hol- und Bringservice etc. wird es dort sicher nicht geben.

Link zur Übersicht der Fahrradverleiher auf Norderney

Link zur Website von Nordsee-Bike

Fotos: Nordsee-Bike, eigenes Archiv

*der Betreiber des Verleihs Nordsee-Bike ist die Nordsee E-Mobility GmbH vertreten durch den Geschäftsführer Arthur van Hese – van Hese ist der Pächter des Lokals Columbus, welches im Eigentum der Frisia AG Norden ist.

 

Nachtrag – Stellungnahme der Norderneyer Fahrradvermieter:

„Das E-Bike ist das neue Auto“ vom 16.03.2019

Dem Artikel ist zu entnehmen, dass Herr Arthur von Hese 300 E-Bikes anschafft bzw. angeschafft hat und diese an zwei Standorten auf Norderney anbieten will (in der Langestraße und am Hafenterminal). Als Begründung für sein Engagement erklärt er: „Er sei der Meinung, dass es auf der Insel zu wenig E-Bikes gibt“. Desweiteren weiß er zu berichten, dass die anspruchsvollen Gäste mit den vorhandenen Mieträdern unzufrieden sind, da diese teilweise veraltet sind. Seine wahrlich innovative Geschäftsidee einer weiteren Fahrradvermietung auf Norderney hat er vor eineinhalb Jahren dem Prokuristen der Reederei – Norden Frisia, Olaf Weddermann, vorgestellt (Herr von Hese ist Pächter des gastronomischen Betriebes Columbus im Gebäude der Frisia in der Mittelstraße). Herr Weddermann zeigte sich offensichtlich sehr aufgeschlossen, da die Idee gut in das Digitalisierungskonzept der Frisia passt und hat entsprechende Unterstützung zugesagt. Diese „Unterstützung“ sieht folgendermaßen aus: Unseren Recherchen zufolge ist nicht Arthur van Hese alleiniger Inhaber des E-Bike Vermietungsunternehmens. Vielmehr sind die Norden-Frisia-Beteiligungsgesellschaft mbH und Herr Arthur von Hese jeweils zu 50% an der am 06.12.2018 gegründeten Firma „Nordsee E-Mobility GmbH“ beteiligt (Handelsregister-Nr. HRB 204907). Warum werden die Beteiligungsverhältnisse in dem Artikel nicht erwähnt? Darüber hinaus werden beide Vermietstandorte von der Reederei zur Verfügung gestellt (sollte entgegen der Pressemitteilung die Genehmigung für die Aufstellung von Containern am Hafen nunmehr erteilt worden sein, wäre die Begründung hierfür sicherlich von öffentlichem Interesse und auch anderen Fahrradvermietern müsste dann diese Möglichkeit gegeben werden). Offensichtlich fungiert der Geschäftsführer der Gesellschaft – Herr von Hese – lediglich als Repräsentant der Gesellschaft für die Öffentlichkeit, damit der Markteintritt der Reederei in das Fahrradgeschäft nicht allzu transparent wird. In einer Marktwirtschaft hat jeder das Recht auch an dem Markt teilzunehmen und sich aktiv zu betätigen. Das gilt selbstverständlich auch für die Reederei Norden-Frisia. Ebenso ist es das gute Recht und eine interne Entscheidung der Reederei, ihr Tätigkeitsfeld zu erweitern – sprich zu diversifizieren. Die Frage ist dennoch zu stellen, ob es mit der gewachsenen Unternehmenskultur, mit Moral und Anstand eines großen Unternehmens zu vereinbaren ist, unter dem Deckmantel der Digitalisierung der Insel und natürlich jenseits aller ökonomischen Interessen sondern lediglich zur Steigerung der Gästezufriedenheit mit den hiesigen Mieträdern in unternehmensfremde Branchen so aggressiv einzutreten. Mit den geplanten 300 E-Bikes ist sie eben kein „kleines Licht“ in dem Teilmarkt Fahrradvermietung, sondern eine ernsthafte existentielle Bedrohung der hiesigen Fahrradvermieter und auf deren Verdrängung ausgelegt. Daran ändert auch die Aussage von Herrn van Hese – wir sehen uns nicht als Konkurrenz – rein gar nichts. Aufgrund der Inselsituation ist von einem relativ statischem und nicht erweiterbarem Gesamtumsatzpotential auszugehen. Anders als sich die monopolistische Marktsituation für die Reederei Norden Frisia darstellt befinden wir uns in einem starken Wettbewerb mit einer Vielzahl an Anbietern, welcher die kalkulatorische Übernahme stetig steigender Kosten in die Mietpreise seit Jahren verhindert, mit der Folge, dass das wirtschaftliche Überleben der überwiegend familiär geführten Unternehmen nicht mehr selbstverständlich ist. Von einer „Waffengleichheit“ der unternehmerischen Möglichkeiten in Bezug auf Finanzkraft, Personal (man braucht keine detallierten Branchenkenntnisse, um zu erkennen, dass die insgesamt geplanten 4 Mitarbeiter für 300 E-Bikes an zwei Standorten völlig an der Realität vorbeigehen und zu vermuten ist, dass zusätzlich Mitarbeiter der Reederei zur Unterstützung zwangsrekrutiert werden) sowie der räumlichen und und standortbezogen Möglichkeiten kann keine Rede sein. Die wettbewerblichen Vorteile der Reederei sind auch bei der Vermarktung ihrer Räder offenkundig. Bereits jetzt werden die E-Bikes der Reederei unter Ausnutzung ihrer marktbeherrschenden Stellung im Fährverkehr den Gästen bei einer Online-Fahrkartenbuchung direkt zur Miete angeboten, bevor diese die Insel überhaupt betreten haben. Die von Herrn von Hese geäußerte Inaussichtstellung zukünftiger Reparaturaufträge für die 300 E-Bikes als wirtschaftliches Abfallprodukt für die Norderneyer Fahrradvermieter beinhaltet eine Arroganz und Häme, die hier nicht weiter kommentiert werden muss. Wir haben Verantwortung unseren Familien und unseren Mitarbeitern gegenüber und fordern Sie auf, derartige Bagatellisierungen und Verharmlosungen Ihrer Aktivitäten zukünftig ebenso zu unterlassen, wie Ihre unnötigen und darüber hinaus unzutreffenden Feststellungen bezüglich des quantitativen und qualitativen Zustands unseres Fahrradbestandes. Ihr „digitales Testobjekt Fahrradvermietung“ ist für uns weder ein Spiel noch ein Experiment sondern existenzbedrohende Realität! Wir wurden nach der Veröffentlichung des Artikels von vielen Norderneyern darauf angesprochen. Tenor der Gespräche war unisono großes Unverständnis für das Verhalten der Reederei verbunden mit der Frage, wann wir uns denn endlich wehren. Wirklich wehren können wir uns sicher nicht, da nicht davon auszugehen ist, dass die Reederei die diesbezüglichen Aktivitäten einstellen wird; es ist eher von dem Gegenteil auszugehen. Aber vielleicht ist diese Stellungnahme als Anlass dafür geeignet, dass die Reederei ihre Unternehmenspolitik inhaltlich aber auch in der Außendarstellung für die Zukunft überdenkt. Es gibt in einer verantwortlich geführten Unternehmung neben den zweifellos notwendigen wirtschaftlichen Interessen auch außerökonomische Zielsetzungen. Wir sind der Meinung, dass sich auch die Stadt Norderney und die politischen Parteien zu diesem Thema klar positionieren sollten.

Die Fahrradvermieter Bike & Fun Heiko Peters, Blue Bike B. Durak, City Bike Stefan Schrader, Charly´s Göricke, Fahrradverleih Kranich Fam. Cömertpay, Fahrradverleih Müller Maik Müller, Friesenrad B. Ristow, Insel-Bike Fam. Reinke, Kurts Fahrradshop H.W. Heckelmann, Molli GmbH Frank Schmalenbeck, Rad Toni u. Rad Peter Fam. Lacalandra