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Politik

27.10.2020
Lebensfraumkonzept Norderney
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Lebensraumkonzept Norderney

Knapp 120 Seiten umfasst der abschließende Bericht zum Lebensraumkonzept Norderney. Die Ergebnisse des Konzeptes hat das Unternehmen Kohl und Partner jetzt dem Rat der Stadt Norderney vorgestellt. Voran ging ein Jahr mit Umfragen, Diskussionen und Workshops.

Lebensraumkonzept Norderney

Das Thema Lebensraumkonzept Norderney stand im Mittelpunkt der Ratssitzung im Conversationshaus. Und nach einer ausführlichen Vorstellung und den Statements der Fraktionen gab es einen Beschluss. Dabei stimmte der Rat mit einer Gegenstimme für die Umsetzung des Konzeptes. Die Erstellung des Lebensraumkonzeptes für die Insel hat rund 100.000 Euro gekostet. Diese sind teils aus Fördergeldern finanziert.

Pilotprojekt in Niedersachsen

Das Konzept ist laut Bürgermeister Frank Ulrichs ein Pilotprojekt in Niedersachsen. Dabei gehe es „um unsere Heimat, um die Zukunft und Zukunftsfähigkeit“. Und das Ergebnis des „spannenden und lebhaften Prozesses“ gebe die Wünsche der Bürger wieder. So hatten sich an der Umfrage, dem sogenannten „Lebensqualimeter“, rund 1300 Personen beteiligt, davon 865 Einwohner.

Lebensraumkonzept Vorstellung

Zu Beginn des Prozesses vor einem Jahr beteiligten sich viele Norderneyer. Collage: Kohl und Partner

Inselvision für 2030

Nun geht es an die Umsetzung und die „Inselvision für 2030“. Am Ende soll ein authentisches Norderney stehen. Dieses soll eine „ausgeglichene Insel zwischen Urbanität und UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer mit höchster Lebensqualität für Insulaner und Gäste“ sein.

Bei allem sei deutlich geworden, dass die Norderneyer eine Regulierung des Tourismus wünschten, so Alexander Seiz. Der Vertreter des Unternehmens Kohl und Partner präsentierte die Ergebnisse vor dem Rat und den rund 45 Zuschauern. Die Norderneyer wollten Qualität statt Quantität im Tourismus. Und an dieser grundsätzlichen Zielrichtung habe auch eine erneute Umfrage im Zuge der Corona-Pandemie nichts geändert.

Sieben Handlungsfelder

Jetzt soll sich die zukünftige Arbeit an den „drei Säulen der Nachhaltigkeit“  orientieren. Diese sind Umwelt, Wirtschaft und Soziales. Dazu arbeiteten die Akteure folgende sieben Handlungsfelder heraus: Wir Norderneyer, Verkehr, Tourismus, Unternehmer und Mitarbeiter, Natur und Nachhaltigkeit, Soziale Infrastruktur und Wohnraum. Und hierzu entwickelten sie verschiedene Schlüsselprojekte.

Handlungsfelder Lebensraumkonzept

So soll es ein Verkehrskonzept geben. Weitere wichtige Punkte sind Wohnraumkonzepte und Besucherlenkung. Auch das Thema Norderney Plastikfrei soll verfolgt werden.

Bewohner im Fokus

Und bei aller Bedeutung des Tourismus für die Insel sollen die Bewohner und die soziale Infrastruktur im Fokus stehen. So sollen Inselfeste oder ein Bürgerzentrum die Identität und das Miteinander stärken. Dabei sollen besonders die ausländischen Mitbürger Unterstützung bekommen. Auch jeder Einwohner könne etwas zur Umsetzung des Konzeptes beitragen, forderte Seiz auf.

Kulturbereich zu wenig berücksichtigt

Im Anschluss an die Präsentation äußerten sich die Ratsmitglieder. Als erster betonte Hans Terfehr (SPD), dass die Mitarbeit der Einwohner während des Prozesses eine „veritable Rückendeckung“ gegeben habe. Terfehr bemängelte jedoch, ebenso wie noch stärker Hayo Moroni (FWN), dass der Kulturbereich in den Ergebnissen nur am Rande berücksichtigt werde.

Hierzu erklärte Moroni, dass im Konzept ein „wesentliches Fundament“ fehle und die Identität und Authentizität der Insel und der Insulaner nicht gewürdigt sei. Sein Ratskollege Henning Padberg (FDP) bedauerte, dass sich nur 16 Prozent der Norderneyer beteiligt hatten.

Zu sehr aus der Sicht der Touristiker

Stefan Wehlage (Grüne) kritisierte, dass das Konzept zu sehr aus der Sicht der Touristiker entwickelt worden sei. Außerdem sei ein Viertel der Befragten Gäste und weite Kreise der Norderneyer seien ausgeschlossen. Dann malte er ein lebendiges Bild: Ihn erinnere der Tourismus an die Raupe Nimmersatt, nur dass dieser sich nicht in einen schönen Schmetterling verwandele.

Auftrag an den Rat

Das Ergebnis bedeute einen „Paradigmenwechsel für die Norderneyer Politik“, so Wehlage. Und er forderte ein deutliches Umdenken: „Wir müssen selber aktiv werden.“ Auch Silvia Selinger-Hugen (CDU) betonte: „Wir haben einen Auftrag.“ Ähnlich äußerte sich Jens Podein (FDP). Er sah in der Aufforderung, visionäre Entscheidungen zu treffen, den Kern des Konzeptes: „Lasst uns mehr Traute haben“, so sein Appell an die Ratsmitglieder.

Nun soll das erste konkrete Projekt schnell umgesetzt sein. So wird noch bis Ende des Jahres bei der Stadt eine Koordinierungsstelle eingerichtet.